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Was lange währt wird endlich gut! Benno wird geboren!

Vorab möchte ich sagen, dass jede Schwangere diesen Geburtsbericht lesen kann, ohne danach Angst vor ihrer Geburt zu bekommen! 🙂 


Es ist Sonntag, die Nacht zum 9. Oktober. Entbindungstermin. Der Countdown ist zu Ende. 10 anstrengende Monate, in denen ich wirklich an meine Grenzen gekommen bin, liegen hinter mir. Wir verbringen den Tag, wie auch die letzten Tage gemütlich zu Hause. Abends schauen wir noch ein bisschen Fernsehen und ich gehe früh ins Bett.

Um 3 Uhr und ich wache plötzlich auf, weil irgendwas komisch ist. Auf der Toilette stelle ich fest, dass meine Fruchtblase geplatzt ist. Tausende Gedanken gehen mir durch den Kopf. In Lichtgeschwindigkeit

Huch! Jetzt geht es doch schon los? Bin ich bereit? Schaff ich das? Hab ich Angst? Bin ich nervös. Was macht mein Körper? Hab ich Wehen… ?

Ich beschließe, mich nicht diesen panischen Gedanken hinzugeben und lege mich erst einmal wieder auf mein Bett. Nach ein paar Minuten habe ich mich gesammelt und bin in den „Ich – funktioniere – Modus!“ übergegangen. Ein Modus, den ich als Mutter bereits in den letzten Jahren perfektionieren konnte. Marius und Hannes werden geweckt. Beide sind sofort auf den Beinen, wissen sie doch, dass da jetzt was Großes passiert.

Um viertel vor vier haben wir Hannes bei Tante Anne abgesetzt und erreichen das Krankenhaus. Um vier Uhr sitze ich bereits in meinem Wunsch Kreissaal am CTG, dass eindeutig Wehen aufzeichnet. Ich wundere mich etwas, denn ich habe noch keine wirklichen Schmerzen.

Wir richten uns also erst einmal gemütlich ein. Das Kreissaalbett wird zu meiner Schaltzentrale und Marius macht es sich auf dem Sofa gemütlich. Um sieben Uhr gibt es einen Schichtwechsel der Hebammen. Die Tagschicht, Lena, tritt ihren Dienst an.

„Na, Euren Benno lerne ich ja heute noch kennen!“ Dieser Satz gibt mir unglaublichen Schwung, es ist wirklich soweit. Noch ein paar Stunden und dann werde ich die Geburt geschafft haben – auf welche Weise auch immer!

Ich kann nicht abstreiten, dass ich doch ziemlich nervös bin. Dagegen bekomme ich jetzt ein Mittelchen und das hilft. Ich bin ein wenig gelassener! Langsam tut sich auch was an meinem Muttermund. Wir gehen erst einmal Frühstücken. Über den Dächern von Münster bedienen wir uns am opulenten Buffett, treffen frisch gebackene Mütter. Mir geht es gut!

Es ist elf Uhr und bis ca. 18 Uhr verbringen wir den Tag abwechselnd mit Spazierengehen und Hart of Dixie gucken. Während wir tausende von Runden um das Krankenhaus drehen, über Gott und die Welt quatschen veratme ich regelmäßige Wehen. Da es zwischen den Wehen Pausen gibt, kann man die ganz hervorragend aushalten. Wirklich! Mir geht es immer noch gut!

18:00 wir sind wieder im Kreissaal. Um 19 Uhr wird der Dienst von Hebamme Sarina beginnen – meine Wunschhebamme – denn die kannte ich schon. Ich hatte mir fest vorgenommen mein Baby in ihrem Dienst zu bekommen. Da sie im Urlaub war, wurde ich für diesen Wunsch eher belächelt. Tja, die Rechnung wurde ohne Benno und mich gemacht.

Lena wird Benno heute also wohl doch nicht kennenlernen. Die Öffnung des Muttermundes dauert einfach länger, weil nicht Bennos Kopf auf ihn drückt, sondern die weichere Fruchtblase. Der Kleine ist noch nicht richtig ins Becken gerutscht. Lena erklärt uns, das er das erst dann tut, wenn die Fruchtblase komplett platzt. Diese Aufgabe soll Sarina übernehmen, wenn sie in den Dienst kommt. Diese wird von mir pünktlich um 19:00 mit einem breiten Grinsen erwartet. Mir geht es immer noch gut!

19:30 Jetzt tun die Wehen doch schon weh. Ich erhebe mich langsam aus meiner Schaltzentrale und ziehe Runden durch den Kreissaal. So ein bisschen wie ein Tiger im Käfig. Laufen und Atmen, laufen und Atmen. Es gibt aber immer noch Wehenpausen. Sarina fragt mich, ob ich schon einen Druck spüre. Es fühlt sich schon anders an. Ich würde sagen von den Wehen geht eine unglaubliche Kraft aus, aber Druck? Wie Druck nehme ich das nicht wahr. Aus zahlreichen Büchern, Berichten und Apps weiß ich ja, dass sich das angeblich so Anfühlen würde als müsste man auf die Toilette.

20:00 Ok, jetzt hätte ich doch gerne eine PDA – Die Wehen tun weh und falls es noch mehr wird, dann habe ich vorgesorgt – denke ich. Die Ärztin beginnt mit ihrer Arbeit. Auch vor der PDA hatte ich richtig Schiss – war überhaupt nicht schlimm.

20:10 PDA liegt und wirkt nicht!

20:15 Ich kann es auf dem Bett liegend nicht mehr aushalten und knie mich hin. Sarina fordert mich auf dem Druck nachzugeben. Es tut weh. Echt mal. Aber ich fühle mir wirklich gut aufgehoben.

Welchem Druck soll ich denn nachgeben? Den der Wehen? Bis Du doof? Das tut doch noch mehr weh.

Erst als Marius sagt, dass ich pressen soll, verstehe ich was mit Druck gemeint ist! Ich soll DRÜCKEN! Ich gebe also Gas und presse/ drücke was das Zeug hält! Ich spüre (wirklich) wie Benno durchs Becken düst. Eine kurze Pause und beim nächsten Mal Drücken macht es Platsch und alle Schmerzen sind sofort weg.

Schau mal da ist er, Dein Baby!!!

Und Da liegt er, klein und echt zart mein kleiner Benno! Ein kleines Häufchen Mensch, dass in mir drin gebaut habe. Sensationell. Das ich sowas kann! Ich bin unglaublich stolz. Wir nehmen uns ausreichend Zeit und kuscheln alle zusammen erst einmal in Ruhe.


Was ich in der Schwangerschaft nicht für möglich gehalten hatte:

In dem Moment, in dem Du Dein zweites Kind bekommst verdoppelt sich Deine Liebe! Dieser kleine Mann und mein Herz springt mir förmlich aus der Brust!Ja, beim Zweiten weiß man einfach wie es ist: Das erste Lächeln, die ersten Schritte, erste Mal Kindergarten – einfach ein Kind haben! Das tollste Gefühl der Welt!

 

2 comments

  1. Ertseinmal herzlichen Glückwunsch Euer Benno ist ja einfach zuckersüß. Und ganz tolle Fotos
    Du schreibst wirklich schön, ich lese deine Texte echt gerne und du hast recht, es tut wirklich gut auch mal was über eine normale, schöne Geburt zu lesen. Sonst hört man immer nur dieHorrorgeschichten. Meine Angst vor der zweiten Geburt ist auch zur Zeit mit das was mich von einem zweiten Kind abhält. Dein Bericht macht Mut
    Alles Gute euch Vieren!

    1. Hallo liebe Lorena! Oh nein, dass darf aber nicht sein!!! Die Angst darf Dich nicht abhalten!!!!!! Ich hatte auch sooooo Angst, dass kannst Du Dir gar nicht vorstellen und sie war absolut unbegründet! Beim zweiten geht es eh immer leichter!

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